Gewalt des Glaubens: Kampf um die Freiheit

1536

Markus berichtet seinem ehemaligen Lehrmeister und dessen Frau, was ihm und Anna in Münster während des Kampfes der von den Wiedertäufern besetzten Stadt widerfahren ist. Schließlich wird auch der wahre Grund seines Besuchs offensichtlich, denn Anna befindet sich erneut in Lebensgefahr.
Vor eine schwierige Entscheidung gestellt entscheidet sich Matthias, seinem früheren Lehrjungen zu helfen und mit ihm gemeinsam den Kampf gegen ihren gemeinsamen Erzfeind aufzunehmen.

»Kampf um die Freiheit«, der Abschlussband der Trilogie »Gewalt des Glaubens«, besticht erneut mit geschichtlichem Hintergrund, eingebettet in eine Handlung, welche durch Wendungen und Überraschungen den Leser in Atem hält.

 

 

Leseprobe

 

Prolog
 
Gutshof von Marie und Matthias, August 1536
 
Markus zuckte zusammen. War da nicht ein Geräusch in der Dunkelheit gewesen? Langsam streckte er sich nach seinem Schwert, das wie immer griffbereit neben ihm lag. Aber eine Hand legte sich auf seinen Arm.
»Sachte, ich bin es, Matthias«, erklang eine ruhige Stimme.
Markus fuhr hoch.
»Ist etwas geschehen?«
»Ich brauche Max«, entgegnete sein früherer Lehrmeister.
»Er liegt da hinten, neben den Pferden.«
Matthias tappte im Halbdunkel zu dem Hünen, schüttelte ihn.
»Max, ich brauche deine Hilfe.«
»Was los?«, brummelte dieser noch im Halbschlaf.
»Eine Stute fohlt, aber es will nicht kommen.«
Im Nu war Max hellwach. Wenn es etwas gab, auf das er sich verstand, dann waren es Pferde. Er sprang buchstäblich auf.
»Wo ist Mama Pferd?«
»Komm mit.«
Markus folgte den beiden in einen anderen Stall. Schon vor dem Tor hörte er die heiseren Schmerzensschreie des Tieres. Da stimmte etwas nicht, das war ihm sofort klar. Pferde blieben bei der Geburt völlig stumm. 
Max ging zu dem Pferd hinüber, das mit Schaum vor dem Maul und zitternden Beinen im Stroh lag. Behutsam legte er ihm eine Hand auf die bebenden Nüstern.
»Ruhig, Mama Pferd, ganz ruhig. Lass Max sehen, was mit kleinem Pferd ist.«
Das Tier beruhigte sich unter den streichelnden Händen und dem sonoren Klang der Stimme ein wenig, stieß ein heiseres Wiehern aus. Max’ Hände tasteten langsam über den Hals, weiter zu dem aufgetriebenen Leib. Matthias und Marie, die mit verquollenen Augen daneben stand, staunten, welche Sanftheit dieser Riese an den Tag legte. 
»Alles Gut, Mama Pferd. Max holt dein kleines Pferdchen, kann ja nich in Bauch bleiben. Muss auf Erde.« Er sah zu Markus und Matthias. »Ihr müsst Pferd vorne halten, darf sich nicht stellen! Wenn sich Pferd hinstellt, Kind und Mama sterben! Marie, ich brauche deine Hilfe!«
Wenn Max auch sonst sehr zurückhaltend war, so klang seine Stimme in diesem Moment befehlsgewohnt. Er schien genau zu wissen, was er zu tun hatte. Markus hatte ihn schon häufiger dabei beobachtet, wie er Stuten dabei geholfen hatte, ihre Fohlen auf die Welt zu bringen, und wusste ungefähr, was er machen musste. Er bedeutete Matthias, wie er zuzufassen hatte, und kniete sich in seine Position. 
Max zeigte derweil Marie, was sie zu tun hatte.
»Immer nach hinten streicheln, immer über den Bauch.« Er nahm ihre Hände, führte sie, bis Marie alleine den Rhythmus gefunden hatte, dann kniete er sich hinter das Pferd. Mit einer Sanftheit, die man dem grobschlächtigen Kerl nicht zugetraut hätte, führte er seine Hand in den Geburtskanal.  
»Ich kann Beine fühlen«, sagte er leise. 
Matthias war verwundert, dass die Stute jetzt stillhielt. Bei seinen Versuchen, an sie heranzukommen, hatte sie wie wild ausgekeilt, während sie jetzt nur noch mit den Augen rollte und leise schnaubte. 
»Gleich, Mama Pferd. Max tut nicht weh dem Kind!« Er zog ein wenig, das Pferd gab ein heiseres Wiehern von sich, dann ein kurzer Ruck, und das Fohlen glitt aus der hellen Stute heraus. »Könnt Mama loslassen«, brummelte der Riese zufrieden. Die Stute drehte sich zu ihrem Fohlen, schnaubte und stupste es an. Mit großen Augen sah sie dankbar zu Max, der nur vor sich hin grinste. Marie umarmte ihn.
»Du bist ein echter Held, weißt du das?«
Max wurde über und über Rot. 
»Nur gut mit Pferden kann«, murmelte er leise. 
Es dauerte eine Weile, dann erhob sich die Stute, die Nabelschnur riss und sie leckte ihr Kleines sanft ab. 
»Fohlen jetzt auch aufstehen muss!«, befand Max. Er kniete sich neben das Neugeborene, neugierig beäugt von der Mutter. »Komm, Kleines, auf die Beine!«
Sanft half er dem Fohlen auf, das sich sofort mit noch leicht wackeligen Beinen zu seiner Mutter begab, welche wieder leise schnaubte und ihr Kleines säugte. Max nickte zufrieden.
»Alles gut! Kind und Mama gesund, wird starkes Pferd!«
Marie weinte vor Glück. Es setzte ihr entsetzlich zu, wenn eines ihrer Tiere litt, auch noch nach all den Jahren, in denen sie den Hof führten.
»Ich habe gedacht, wir verlieren sie«, sagte sie zu Markus. »Aber Max ist wirklich jemand, der sich auf Pferde versteht.«
»Das kannst du laut sagen«, erwiderte der junge Soldat schmunzelnd. »Hauptmann von Waldow sagt immer, er hat noch nie einen besseren Pferdekenner gesehen. Jedes Tier wird in seinen Händen lammfromm. Er sieht hin und weiß, was ihm fehlt, wenn es krank ist. Und er hat wohl mehr Fohlen auf die Erde geholt, als ich zählen kann.« 
»Max hat Hunger«, kam es aus dem Mund des grinsenden Hünen. Das war seine Art, mit Lob umzugehen. 
»Ich mache Frühstück«, lachte Marie, ging zu ihm und gab ihm einen Kuss auf die Wange. »Und dann müsst ihr erzählen, was euch noch widerfahren ist. Heute wird nicht gearbeitet, es wird Regen geben. Also, ab mit euch, wascht euch. Die Kinder gehen zu einem unserer Pächter, also haben wir Zeit und Ruhe.«
Gehorsam zogen die Männer los und wuschen sich. Nach einem mehr als ausführlichen Frühstück und nachdem Marie die Kinder zum Spielen abgegeben hatte, sah Markus erst lange aus dem Fenster. 
»Ihr fragt euch sicher, warum wir hergekommen sind. Es ist nicht nur, weil wir euch wiedersehen wollten. Das, was jetzt kommt, ist für mich der schwerste Teil der Geschichte. Aber ich hoffe, dass sie doch noch gut ausgeht.«
Matthias sah ihn ernst an.
»Dass du uns nicht nur aus Höflichkeit besuchst, war mir sofort klar. Und jetzt spann uns nicht länger auf die Folter.«
Markus nickte und begann.

 

 

 

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